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Aktuelles 2003 |
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Versicherer haben große Sorge, dass
die neuen internationale Bilanzierungsregeln (IAS) ihnen Probleme
bei der Eigenkapitalbeschaffung bereiten. Aktienanalysten hegen ähnliche Bedenken. fw MÜNCHEN. Nach Aussage der Experten ist zu befürchten, dass bestimmte Produkte gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt angeboten werden. Rainer Fischer von der Swiss Re nennt als Beispiel Lebensversicherungen in ihrer klassischen Ausgestaltung, also mit garantierter Mindestverzinsung. Werner Görg, Chef des Gothaer Konzerns, spricht von einer „unerbittlichen Diskussion" und befürchtet eine „Rückdelegation von Kapitalmarktrisiken an die Kunden" – sprich: den Wegfall von Garantien. Schon bisher erstellen viele große Versicherer ihre
Bilanzen nach IAS. Zurzeit bedeutet das vor allem, dass sie auf der
Aktivseite der Bilanz konsequent Marktwerte ansetzen, was im Zug der
Börsenbaisse zum Ausweis von erheblichen Verlusten geführt hat. Die
IAS-Regeln befinden sich aber im Fluss, wobei gerade für die
Versicherungsbranche noch viele Fragen offen sind. Im Gespräch ist,
ab 2007 auch Versicherungsverträge mit „fairen“ Werten oder Doch das Verfahren hat Tücken: Im Endeffekt würde eine derartige Bilanzierung darauf hinauslaufen, dass die Verträge und damit auch die Passivseite der Bilanz – wo die Verpflichtungen gegenüber den Kunden gebucht werden – im wesentlichen nach der so genannten Kapitalwertmethode bewertet würden. Jeder Betriebswirtschaftsstudent lernt dieses Verfahren kennen: Es beruht darauf, möglichst genau künftige Ein- und Auszahlungen zu prognostizieren und mit einem bestimmten Kalkulationszinsfuß auf den heutigen Wert umzurechnen. Das Ergebnis hängt nicht nur von der Prognose, sondern auch von dem gewählten Zinsfuß ab. „Da kann es große Schwankungen von Jahr zu Jahr geben, wenn sich das allgemeine Zinsniveau ändert“, befürchtet daher Ralf Dibbern, Analyst bei M.M. Warburg. Ähnlich meint Frank Stoffel von der WestLB: „Die Volatilität wird massiv zunehmen.“ In der Tat ist der Sprung von der alten Bilanzierung
nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) bis zur künftigen
IAS-Bilanzierung sehr weit. Nach HGB werden historische Buchwerte
angesetzt und nur in dringenden Fällen geändert. Die Folge: Wenn das
Geschäft einigermaßen läuft, lassen sich langsam, aber stetig
wachsende Gewinne ausweisen. Nach IAS gerät die Bilanz – künftig
auch die Passivseite – in Bewegung: Jahre mit hohen Verlusten und
Gewinnen wechseln sich ab. Entsprechend schwankt das ausgewiesene Das Problem hat zwei sehr eigentümliche Facetten.
Zum einen handelt es sich im Prinzip um einen rein optischen Effekt
– die neue Bilanzierung verändert die Zahlungsströme nicht, sie
bildet sie nur anders als bisher ab. Dennoch: Die Optik gewinnt eine
eigene Dynamik. Investoren, aber auch die Finanzaufsicht, werden
nach Ansicht der Experten auf deutlich sichtbare Probleme stärker
reagieren als auf solche, die zwar im Prinzip bekannt, aber nicht im
Detail im Das Problem ist also, dass die IAS-Vorschläge abgelehnt werden, aber auch keine richtige Alternative auf dem Tisch liegt. Doch jeder Schatten hat auch Lichtpunkte: Wie Fischer von der Swiss Re andeutet, überlegen die Rückversicherer, ob sich für sie aus der größeren Angst ihrer Kunden (der normalen Versicherer) vor Risiken sogar geschäftliche Chancen ergeben könnten. Denn die Rückversicherer leben ja davon, ihren Kunden Risiken abzunehmen. HANDELSBLATT, Donnerstag, 24. Juli 2003, 08:02 Uhr |
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© 2001 Matthias Ax |
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